Über Kunst zu schreiben ist schwer. Über Kunst zu schreiben, die du selbst gemacht hast, kann umso schwieriger sein. Unter Künstlern heißt es oft: „Wenn ich in der Lage wäre, meine Arbeit mit Worten zu beschreiben, wäre ich wahrscheinlich ein Schriftsteller und kein Künstler“. Zugegebenermaßen steckt darin ein Quäntchen Wahrheit. Viel wichtiger ist jedoch die Wahrheit, dass du als Künstler irgendwann an einen Punkt kommen wirst, an dem du ein Künstler-Statement schreiben musst – und dann ist besonders die Qualität wichtig.

Als (professioneller) Künstler ist sehr oft mehr als deine Arbeit in der Kunstwelt unterwegs. Und selbst auf einer Ausstellung ist dein Statement wahrscheinlich die erste (und vielleicht einzige) Kommunikation zwischen dir und der Öffentlichkeit. Darüber hinaus benötigen wir es möglicherweise auch, wenn wir unser Portfolio an Galerien, Wettbewerbe und Museen senden. Oder es wird angezeigt, wenn Leute deine Website besuchen – solange es online ist, werden es Leute aus der ganzen Welt sehen.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Künstler zu werden – autodidaktisch oder durch eine Kunstschule. Aber egal wie du hierher gekommen bist, als Künstler ist es wichtig, dass du ein gutes Künstler Statement hast. Also, was genau macht denn jetzt ein gutes „Artist Statement“ aus?

Captain Obvious: Beschreibe dein Kunstwerk

Zuallererst solltest du damit beginnen, dir die richtigen Fragen zu stellen: Wenn jemand neben dir vor deiner Kunst stehen würde, was könnten sie dich fragen? Was könntest du sagen, um ihnen ein tieferes Verständnis zu geben und somit ihre Erfahrung zu bereichern? Schreibe über deine Arbeit mit dem Ziel, etwas zu der Erfahrung hinzuzufügen, anstatt nur Informationen zusammenzufassen. Konzentriere dich auf Dinge, die deine Arbeitsweise und Materialien besonders einzigartig machen.

Wenn du jetzt denkst, dass das Ganze vielleicht ein wenig zu komplex ist, mach‘ dir keine Sorgen – ich habe hier ein paar praktische Fragen gesammelt, die du dir für dein Künstler-Statement beantworten kannst (aber bitte, versuche nicht alle gleichzeitig zu beantworten):

Warum hast du genau dieses Kunstwerk gemacht?
Und was genau sagt es über die Welt aus?
Was hilft es den Menschen zu verstehen?
Wie sieht dein Kunstwerk aus?
Aus welchen Materialien hast du es gemacht und wie?
Wie thematisiert es deinen Konflikt?
Welche Art von Kultur, Thema oder Problem beschreibt es?
Was erwartest du von deinem Publikum?

Every child is an artist. The problem ishow to remain an artist once we grow up.

Pablo Picasso

Es geht um die Kunst, nicht um den Künstler

Das könnte jetzt ein bisschen komplizierter sein. Doch, du kannst in deinem Statement über deine persönliche Erfahrung schreiben. Du solltest dir jedoch vorher einige Fragen stellen. Warum sollte deine persönliche Erfahrung für irgendjemanden außer dich relevant sein? Oder allgemeiner, wenn deine Arbeit über dich selbst ist, warum sollten wir (die anderen) uns dafür interessieren? Was zeigen deine Erfahrungen über die Welt, in der wir leben und was können Menschen aus deiner Geschichte lernen, was für ihr eigenes, persönliches Leben nützlich sein könnte? Zusammengefasst, versuche einfach, deine Erfahrung als ein Instrument zu sehen, um einen viel größeren Kontext zu illustrieren (der vielleicht ganze Kulturen und Gesellschaften betrifft). Ein breiteres Thema, hilft anderen, sich leichter darauf beziehen zu können und daraus einige Erkenntnisse gewinnen.

Nicht alle Aspekte deiner Arbeit sind relevant

Im Allgemeinen solltest du dich auf die interessantesten Aspekte (von denen es nur wenige gibt) deiner Arbeit konzentrieren. Vielleicht kann dein Künstler-Statement etwas über deine Arbeit enthüllen, was man nicht auf den ersten Blick erkennt. Ist das der Fall, dann solltest du darüber schreiben. Wenn nicht, ist es nicht wirklich nötig zu erläutern, wie du mit einer „Skizze“ oder einer „Idee“ angefangen hast- das ist nämlich im Grunde für alle von uns Künstlern dasselbe. Finde stattdessen Dinge, die deine Arbeit einzigartig machen, und versuche, die Aufmerksamkeit der Leute darauf zu lenken – ob es ein Prozess ist, deine Konzepte, deine Beziehung zur Kunstgeschichte oder irgendetwas anderes.

"I want to express my feelings rather than illustrate them.It doesn’t matter how the paint is put on, as long as something is said."

– Jackson Pollock

In der Kürze liegt die Würze

Vergiss nicht, dass die meisten Leute, die dein Statement lesen (einschließlich Kuratoren und Kritiker!), nur die Zeit haben, die ersten Zeilen zu überfliegen. Es ist, wie es ist, Menschen haben heutzutage sehr kleine Aufmerksamkeitsspannen. Der richtige Umgang damit ist, so viel Gewicht in deine Aussage zu legen wie du nur kannst. Wenn du nur in vier Sätzen beschreiben könntest, was du tust, dann tu es. Weniger ist mehr. Vertraue für den Erfolg deines Statements nicht darauf, dass dein Leser 1.000 Wörter in 30 Sekunden lesen kann.

Verkompliziere deine Sätze auch nicht dadurch, indem du um den heißen Brei herumredest. Sei spezifisch und verwende keine vagen Wörter, die nur ablenken und dich daran hindern, auf den Punkt zu kommen. „Meine Kunstpraxis beschäftigt sich mit der Erforschung von Vorstellungen über Emanzipation“ – was das wirklich bedeutet ist: „Meine Kunst handelt von Emanzipation.“

Halte dich an ein Maximum von 2-3 Absätzen. Sicher, du könntest mehr schreiben, aber warum willst du das? Kombiniere Sätze und lösche Unwesentliches. Henri Matisse hat einmal gesagt, dass „alles, was dem Bild nicht dienlich ist, schädlich ist“. Dasselbe gilt für dein Künstler-Statement.

Ansonsten kannst du natürlich auch immer mehr als ein Statement schreiben, wenn du mehrere Arbeitsbereiche hast. Zuviel in eine Aussage zu packen, lässt dich nur so aussehen, als würdest du versuchen, für jeden alles zu sein, ohne wirklich etwas zu sagen. Das nennt man schlechtes Marketing.

"all that is not useful to the picture is detrimental."

– Henri Matisse

Hol dir Hilfe

Eine weitere Angewohnheit, die du dir abgewöhnen solltest, ist, sich auf die integrierte Rechtschreibprüfung deines Textprogrammes zu verlassen. Klar, nicht jeder ist ein guter Schriftsteller, und das ist völlig in Ordnung. Aber das sollte nicht die Entschuldigung für ein schlechtes Künstler-Statement sein. Triff dich mit einem Freund, kauf ihm ein Bier oder einen Kaffee, und bitte ihn, deinen Text für dich zu lesen und zu korrigieren. Ein schlecht geschriebenes Statement erschwert nicht nur das Verständnis für deine Ideen – vor allem grammatikalische Fehler können dich auch gleichgültig gegenüber demjenigen erscheinen lassen, bei dem du dich für etwas beworben hast.

Leg es zur Seite

Die meisten Künstler hassen ihre Künstler-Statements, weil sie diese überhetzt erstellt haben. Sie sind meist in der Vorbereitung für eine Ausstellung und erledigen das Statement allerletzter Minute – es ist ihnen einfach nicht wirklich wichtig, viel Zeit mit der Erstellung zu verbringen. Aber wie kann man erwarten, dass etwas gut wird , wenn man nicht daran arbeitet?

Wenn du unter einer Schreibblockade leidest, gib nicht auf. Lass dein Statement für einige Tage liegen und komm dann mit einem neuen Mindset zurück. Ein weiterer guter Tipp meinerseits ist, die Sprachaufnahme-App auf deinem Handy zu verwenden. Nimm einfach auf, wie du mit einer Freundin (oder deiner Katze) über deine Arbeit sprichst. Nachdem du deine ‚Rede‘ niedergeschrieben und die Ähs gelöscht hast, wirst du überrascht sein, wie gut es klingt. Und wenn nicht, hast du wenigstens schon etwas auf der Seite stehen, womit du die Arbeit beginnen kannst. Betrachten wir es mal von der anderen Seite: Ein Text, der ungezwungen klingt und scheinbar mühelos ist, liest sich einfacher und macht mehr Spaß, als ein Text, der mühsam geschreiben erscheint.

Nichts ist in Stein gemeißelt

Während deiner Karriere wird sich dein Umgang mit Kunst, genau wie deine persönliche Entwicklung verändern. Deine Sichtweise wird sich wandeln. Das gleiche gilt auch für dein Künstler-Statement. Lass es nicht auf einem Regal liegen und verstauben. Es sollte organisch sein, also hab keine Angst Dinge zu ändern und es ständig ein bisschen besser zu machen.

Sieh die Zeit, in der du dein Künstler-Statement schreibst, als Gelegenheit, deine Gedanken zu sortieren. Ein gut geschriebenes Statement, welches bewusst angegangen wurde, kann eine Bereicherung für deine Eigenwerbung sein. Du wirst es ja auf deiner Website und in Förderanträgen, Pressemitteilungen, Broschüren und vielem mehr verwenden.

If I could say it in words there would be no reason to paint.

– Edward Hopper

Letzte Schritte

Stell sicher, dass dein Künstler-Statement den sog. Lackmustest besteht. Frag jemanden, ob er widergeben kann, was dein Statement bedeutet. Vor allem sollte es den Zuschauern auch möglich sein, dein Statement beiseite zu legen und deine Arbeit zu betrachten. Dein Statement ist nicht erfolgreich, wenn die Leute den Text auf der Seite lesen, ihn dann zur Seite legen und zum nächsten Künstler / Kunstwerk weiter gehen.

„Hey, das war eine gutes Künstler-Statement!“ ist etwas, das man nicht oft hört. Folglich kann es also eine großartige Möglichkeit sein, sich von anderen zu unterscheiden. Und wenn du immer noch Zweifel hast, kannst du dich an einigen der folgenden Beispiele orientieren. So weißt du, wo du anfangen solltest.

8 Beispiele besonders guter Künstler-Statements