Wann immer ich einige meiner Stücke öffentlich ausstelle, gibt es immer einige Leute, die den Mut haben, zu mir zu kommen und ein paar Fragen zu stellen. Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird, ist: Wie kommst du denn auf sowas? Wo kommen deine Ideen her? “ Und meine Antwort ist wahrscheinlich genauso schockierend für sie wie für dich – mit den Worten Austin Kleon’s, der Inspirationsquelle für diesen Post, sage ich: „Ich stehle sie.“ Und ich sage das keineswegs verlegen oder beschämt, ich sage es voller Stolz und Überzeugung.

Wenn du Austin’s „Steal like an Artist“ nicht gelesen hast, gibt es eindeutig kein Buch, welches ich in den letzten Jahren gelesen habe, dass ich dir mehr ans Herz legen kann. Es ist eine umfangreiche, aber leicht lesbare Sammlung von Prinzipien und Ideen – welches die Art und Weise, wie ich meine Kunst betrachtete und die von anderen wahrnehme, grundlegend verändert hat. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich dir einen kurzen Einblick in das Grundprinzip geben, das dem Buch zugrunde liegt, so dass du davon genauso profitieren kannst wie ich es einst habe. Wenn du daran interessiert bist, das ganze Buch zu lesen, findest du einen Link zum Buch am Ende dieses Artikels.

„ART IS THEFT.“

– Pablo Picasso

Ich bin mehr als glücklich, dir die Wahrheit zu verraten: fast nichts ist original. Und das gilt nicht nur für die fragwürdigem Pop-Remixe alter Klassiker, die in den letzten Jahren die Musik-Charts überfluten.  Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Lethem fasst das passend zusammen. Er sagt, wenn Menschen etwas als Original identifizieren, wissen sie in neunzig Prozent der Fälle einfach nicht die Originalquellen oder Referenzen, aus denen die Arbeit besteht.

Das hat mit der grundlegenden Entstehungsweise von Ideen zu tun. So einfach wie es klingt, aber nichts kommt von nichts. Und das gilt für jede kreative Arbeit in jedem kreativen Bereich. Jedes Stück baut auf allem auf, was vorher kam. Eine neue Idee ist quasi eher ein Mashup aus einem Sammelsurium früherer Ideen. Genauso verhält es sich ja auch mit der Genetik – Die Eigenschaften von deiner Mutter und deinem Vater, werden etwas neu geordnet. Und doch entsteht eine größere Summe als ihre Teile, ein völlig neue Ich.

Klar, wir können uns unsere Eltern nicht wählen, aber du kannst dir aussuchen, was du in dein Leben lässt. Deine Freunde, deine Musik, deine Lehrer und Idole, die Filme, die du siehst, die Orte, die du besuchst – all das wird deine Einflüsse formen, die letztendlich das Aussehen deiner Kunst bestimmen werden.

„IMMATURE POETS IMITATE; MATURE POETS STEAL; BAD POETS DEFACE WHATTHEY TAKE, AND GOOD POETS MAKE IT INTO SOMETHING BETTER, OR AT LEASTSOMETHING DIFFERENT. THE GOOD POET WELDS HIS THEFT INTO A WHOLE OFFEELING WHICH IS UNIQUE, UTTERLY DIFFERENT FROM WHICH IT WAS TORN”

– T.S. Elliot

Anstatt also aus dem Nichts nach einer Inspiration zu suchen, sollte ein guter Künstler sein Verständnis des Ideenprozesses nutzen, um die Vision seiner Welt neu zu definieren. Befreie dich von der ‚Last‘ der scheinbaren Originalität und suche den Einfluss durch andere, egal wie deprimierend das auch klingt. Der französische Literaturnobelpreisträgerr André Gide hat es einmal so ausgedrückt: „Alles, was gesagt werden muss, ist bereits gesagt worden. Aber da niemand zugehört hat, muss alles noch einmal gesagt werden. „

“WHAT IS ORIGINALITY? UNDETECTED PLAGIARISM”

– William Ralph Inge

Finde heraus, was es wert ist geklaut zu werden und wo es besser ist, es zu unterlassen. Das sollte die eigentliche Frage sein. Hör  auf, dich um Gut oder Böse zu sorgen, kategorisiere Dinge lieber mit „wert zu stehlen“ und „nicht wert zu stehlen“. Sei neugierig auf die Welt, in der du lebst. Lese Bücher. Recherchiere, google was du nur kannst. Google alle deine Träume, aber auch deine Probleme. Du wirst entweder die Antwort finden oder auf eine bessere Frage kommen.

5 der besten Tools, um zumkreativen Kleptomanen zu werden

Quellen

Austin Kleon's Steal Like An Artist